Allerlei aus Heidelberg und der Welt

Kategorie: Cinque Terre (Seite 1 von 2)

Gut eine Woche liegt nun unser Urlaub hinter uns, und ich habe jetzt alle Bilder sortiert, die schlechtesten raussortiert und zwei Bildergalerien bzw. Diashows erstellt.

Kandersteg:
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Cinque Terre:
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Und zwei Panoramabilder gibts auch noch: von Riomaggiore und Vernazza.

Einfach auf die Bilder klicken:
Riomaggiore:

Vernazza:

Und hier sind nochmal alle Beiträge in chronologischer Reihenfolge:

Kandersteg:
1. Tag: … und auch ein grau verhang’ner Niesen …
2. Tag: Auf zum Undere Biberg!
3. Tag: Hoch über dem Oeschinensee – Oberbärgli
4. Tag: Der alte Gemmi-Weg
5. Tag: Ruhetag
6. Tag: Im Gasterntal
7. Tag: Ausflug nach Thun

Cinque Terre:
1. Tag: Anfahrt von Kandersteg nach Moneglia
2. Tag: Moneglia
3. Tag: Monterosso
4. Tag: Genua
5. Tag: Wandern von Monterosso nach Vernazza
6. Tag: Riomaggiore-Manarola-Corniglia
7. Tag: Bade- und Ruhetag
8. Tag: Rückfahrt

 

8. Tag: Rückfahrt

Um Viertel vor acht klingelt der Wecker, der Himmel ist blau, jetzt würden wir gerne noch um eine Woche verlängern. Aber um 10 Uhr müssen wir raus sein, bezahlen und uns auf den Weg machen. Ich hole noch ein Baguette vom Campingshop, und um 9 geht’s schnell ans restliche Packen. Um 10.25 Uhr ist alles erledigt, die Ampel in Richtung Sestri Levante zeigt grün, und wir fahren ein letztes Mal durch die vier schmalen Tunnel und ich muss wieder an Ostern 1984 denken, als hier noch nichts beleuchtet oder ampelgeregelt war …

Tunneleinfahrt Camping Smeraldo

Tunneleinfahrt Camping Smeraldo

Die Fahrt um Mailand herum klappt problemlos. Hinter der Grenze gönnen wir uns in Bellinzona eine Pause, verputzen unsere mitgenommenen Brote und einen leider nicht so gelungenen Cappucino. Für den Gotthard kündigt das Navi Stau an, erst 14 Minuten, dann, also wir näher kommen, nur noch 4 Minuten bzw. 2 Kilometer. Trotzdem entscheiden wir uns, nachdem wir davon auch noch einige im Stau stehen, raus- und über den Pass zu fahren.

Passhöhe des Gotthard-Passes

Passhöhe des Gotthard-Passes

Gegen 16 Uhr sind wir oben, steigen aus und schnuppern ein wenig die – überraschend wenig – kühle Luft. Aus den Lautsprechern erklingen – auf der Gitarre gespielt – Vivaldis Vier Jahreszeiten vom Band. Die Bratwurst zu 5 Franken verkneifen wir uns. Und weiter gehts über Andermatt das Tal hinunter und am Vierwaldstättersee entlang. Für Basel ist – EM-bedingt – ebenfalls Stau angesagt, der sich laut Navi aber nach unserer Cappuccinopause kurz vor der Verzweigung Härkingen in Wohlgefallen aufgelöst hat. Und tatsächlich: Während in Basel City die Holländer ihrem Viertelfinalspiel gegen Russland entgegenfiebern, rollen wir kurz nach sechs problemlos über die Basler Stadtautobahn der deutschen Grenze entgegen. Das restliche Stück durch die Rheinebene bis Heidelberg zieht sich wie Kaugummi. Dreiviertel neun erreichen wir Heidelberg und kaufen noch ein paar Kleinigkeiten zum Essen ein. Dann Parkplatzsuche, Ausladen, Kochen, Wegräumen, todmüde ins Bett fallen.

7. Tag: Bade- und Ruhetag

Heute morgen zeigt der Blick aus dem Fenster blauen Himmel, etwas diesig, aber der Tag verspricht, warm zu werden. Es ist unser letzter Tag, und wir lassen es ruhig angehen. Nach dem Frühstück machen wir uns ganz allmählich fertig, um runter zum  kleinen steinigen Strand des Campings zu gehen. Es sind angenehm wenige Leute auf dem kleinen Platz. Das Wasser ist herrlich still. Kaum Wellen heute, man könnte glauben, es wäre ein Binnensee. Nach dem Bad sonnen wir uns noch ein wenig, ganz in der Nähe geht eine Motorjacht vor Anker, die den Eindruck macht, sie sei nicht nur schnell, sondern auch mit schnell verdientem Geld bezahlt. Nachmittags gegen drei machen wir uns auf den Fußweg nach Moneglia, um noch letzte Einkäufe zu erledigen, einen Cappu zu genießen und endlich unsere Postkarten einzuwerfen. Nach dem Rundgang mache ich mich noch ans Bloggen, bevor wir nochmal stadtwärts ziehen und im „U Limottu“ zu essen. Nach dem Essen werden wir sicher noch ein bisschen packen, auf der Terrasse vor der Hütte sitzen und dem leichten Plätschern und Rauschen des Meeres lauschen. Kein Vergleich mit dem „Donnern“ der Brandung in den ersten Tagen. Morgen früh um 10 müssen wir die Hütte verlassen und fahren dann über Mailand und den Gotthard heimwärts.

6. Tag: Riomaggiore-Manarola-Corniglia

Der Himmel ist heute Morgen wider Erwarten vor allem auf Landseite bedeckt, und die Chancen für Sonne stehen 50:50. Wir wollen heute die noch drei ausstehenden Dörfer der Cinque Terre ansehen und starten nach gemütlichem Frühstück (wie bisher alle Tage) draußen vor der Hütte über den Felsweg zum Bahnhof. Die Sonne kommt raus. Gegen eins sind wir in Riomaggiore, durch einen mit einem mediterranen Mosaik gestalteten Fußgängertunnel geht’s ins „Centro“, den größeren Ortsteil. Das Wetter sieht nach einem 1:0 für die Wolken aus, und wir sind erst enttäuscht nach einem so schönen Tag wie gestern. Die bunten Farben der in- und übereinander geschachtelten Häuser werden durch die Sonne erst richtig kräftig. Wenn dann ein kräftiges Himmelsblau dazu kommt, lacht das Fotografenherz. Doch ist die Partie noch nicht zu Ende. Und den Wolken zum Trotz: Es ist schon faszinierend, wie die Häuser sich übereinandergeschachtelt um die enge, mit der Hauptstraße überbauten Flussmündung drängen, als wollten sie alle auf einmal ins Meer. Da muss man einfach fotografieren.

Riomaggiore

Riomaggiore

Wir bummeln durch das gerade recht ruhige Dorf, kein Vergleich mit dem Rummel in Vernazza gestern. Post und Tabacchi sind zu, unsere Briefmarken müssen wir anderswo holen.

Kurz nach drei ziehen wir wieder zum Bahnhof und fahren nur vier Minuten bis Manarola. Dort wieder durch einen Tunnel ins Dorf, wo uns die Sonne freudig empfängt. Auch Manarola ist ein Schmuckkästchen: die Häuser in erdigen Farben, eng und übereinander entlang der Hauptgasse, die zu einem kleinen Hafen zwischen den Felsen führt. Wir setzen uns in das Café Planina, direkt mit Blick auf den Hafen. Beim Hinsetzen verursache ich einen Lachanfall zweier Amerikanerinnen am Nebentisch: Ich postiere auf dem dritten Stuhl unseren Rucksack, aus dem Antonio rausschaut und seine Vorderpfötchen fast auf der Tischkante hat: Antonio ist unser süßer Plüschbär, der uns auf Reisen begleitet. Esther genießt eine Torta Frutti di Bosco, ich ziehe eine Torta di Noci vor, die die Schweizer hier angeblich mal eingeführt haben. Sie ähnelt in der Tat sehr der üppigen Engadiner Nusstorte, wie wir sie aus der Schweiz kennen. Der Cappuccino hier ist sehr gut, weniger sein Preis: 2,50 Euro! Absoluter Wucher!

Blick auf Manarola

Blick auf Manarola

Am Hafen gibt es eine kurvige Rampe, um Boote zu Wasser zu lassen. Benutzt wird aber gerade unter Beobachtung vieler Touristen eine elektrische Seilwinde. Die Aufmerksamkeit der Touris richtet sich dann auf einige Springer, die von den Felsen in die Hafenbecken springen, eine Teenagerin hat sich im Bikini einen fünf Meter hohen Felsen ausgesucht und traut sich nun doch nicht: zu „scary“ für die Amerikanerin, ruft sie den anderen Springern zu. Wir gehen ein Stück hinauf Richtung Corniglia und sind auch hier begeistert vom Blick zurück auf Manarola und voraus auf Corniglia. Da wir dann doch nicht erneut die Nationalparksgebühr von 5 Euro pro Person und Tag zahlen wollen, schauen wir noch mal in den Ort, auch wegen der Briefmarken: Die Post ist zu und der Tabacchi ohne Briefmarken.

Nachdem wir noch durch einige Souvenirläden geschlendert sind, nehmen wir am Bahnhof den nächsten Zug nach Corniglia. Kurve um Kurve laufen wir dort die Asphaltstraße hinauf, die interessantere Ausblicke eröffnet als der Treppenweg, den man vom Bahnsteig aus über einen ebenen Weg entlang der Bahn nimmt.

Piazza in Corniglia

Piazza in Corniglia

Hübsch wie alle anderen Cinque-Terre-Dörfer, erhebt es sich fast 100 Meter über dem Meer und bietet – besonders von der Panoramaterrasse einen einzigartigen Ausblick. Links strahlt Manarola in der Nachmittagssonne, während Riomaggiore hinter Felsen versteckt ist, nach rechts blickt man an Vernazza vorbei auf Monterosso. Unter und über uns ziehen Möwen ihre Kreise und zeigen ihre Flugkünste.

Möwe in Corniglia

Möwe in Corniglia

Nicht einfach, sie mit der Kamera zu erwischen. Auf der Piazza in der Dorfmitte sitzen ältere Männer auf einer Bank und genießen die Zeit. Es ist gleich halb sieben und wir brauchen noch etwas zum Kochen. Der offenbar einzige Lebensmittelladen bietet nur Touristenpasta zu 7,50 Euro, aber keine üblichen Pasta an, und wir beschließen, nur ein bisschen Gemüse zu kaufen und es zu den noch vorhandenen Kartoffeln zu brutzeln. Dazu noch die restlichen gefüllten, eingelegten Peperoni und einen Joghurt Frutti di Bosco aus unserem Naturjoghurt und der Schweizer Waldfrucht-Marmelade, und fertig ist das Menü für heute. Unten am Bahnhof noch eine Aufnahme von Manarola mit dem üblichen „Sottopassagio“-Schild im Vordergrund und einmal die Schienen mit „Vietato attraversare i binari“ im Abendlicht. Bisher hat die Bahn keinen unserer Urlaube so geprägt wie diesen.

Vietato attraversare i binari

Vietato attraversare i binari

5. Tag: Wandern von Monterosso nach Vernazza

8.30 Uhr, der Himmel ist fast wolkenlos und etwas diesig, nur über den Bergen hängen noch niedrige Wolken. So ganz weiß man nicht, wie es sich entwickelt. Wir sind optimistisch und beschließen zu wandern. Wo, das ist noch nicht klar. Wir gehen zum Bahnhof und kaufen Karten nach Montorosso, um dort weiterzusehen. Alle Strecken sind begehbar, und wir beschließen in Monterosso, nach Vernazza zu wandern mit der Option, bis Corniglia weiterzuwandern, wenn wir noch fit genug sind.

Muretti a Secco (Trockenmauern) in Monterosso

Muretti a Secco (Trockenmauern) in Monterosso

Der Aufstieg über den schmalen Treppenweg und noch schmalere Pfade ist heftig, und es gibt reichlich Gegenverkehr. Dennoch: die meisten Wanderer sind sehr freundlich und zuvorkommend und grüßen und/oder lassen passieren. Und roter Mohn, gelber Ginster und vielen andere blühende Pflanzen bis hin zu den riesigen Agavenblüten entschädigen für den Schweiß. Nicht zu vergessen die Aussichten hinunter nach Monterosso, auf die Meeresbrandung unten an den Felsen und auf die hier typischen Terrassenfeldern mit den hier typischen „muretti a secco“, den Trockenmauern, die gehegt und gepflegt werden wollen, da sie sonst einstürzen und der Bodenerosion in dieser Kulturlandschaft Tür und Tor öffnen. Nach dem heftigen Aufstieg geht es einige Zeit leicht auf und ab, bis nach knapp zwei Stunden Vernazza immer deutlicher wird. Ein kleiner Rastplatz lädt zwar zum Verweilen ein, aber er ist in der prallen Sonne, sodass wir lieber weitergehen.

Vernazza von oben

Vernazza von oben

Spätestens beim Abstieg nimmt der Anteil der sicht- und hörbaren Amerikaner deutlich zu. Der Blick auf die malerische Stadt ist einfach traumhaft, und auch im Städtchen gibt es immer wieder Nettes zu sehen: von Katzen, die sich gemütlich in einer Ecke räkeln, über eine Frau, die die Wäsche vors Fenster hängt bis hin zu den älteren Männern, die unter dem Schild des Partito Democratico sitzen und palavern. Nein, so überlaufen wie die Stadt von Touristen ist, sie hat schon auch ihr Eigenleben. Zwischendurch genießen wir noch ein leckeres Eis (die erste Eisdiele auf der rechten Seite der Hauptgasse vom Berg her gesehen macht ein hervorragendes Cioccolata-Peperoncino, intensiv schokoladig und gleichzeitig scharf!) und einen sehr guten Cappuccino in der Eisdiele/Pasticceria „Da Stalín“.


Gegen halb sieben treten wir den Rückweg an, besorgen in Moneglia ein paar Zutaten zum Grillen und schreiben nach dem Essen noch Postkarten.

4. Tag: Genua

Für den Fall, dass wir wandern würden, klingelt der Wecker bereits um 8. Der Himmel: so dunkel und wolkenverhangen wie seit Samstag nicht. Also Entscheidung gegen das Wandern und für einen Ausflug nach Genua. Über den üblichen Felsweg nach Moneglia und zum Bahnhof. Dort hat der Zug 25 Minuten Verspätung. Naja, was machts? Wir nutzen die Zeit für einen Cappuccino in der Bahnhofsbar. Endlich: der Zug fährt ein. Etwa Viertel nach 12 kommen wir in Genova Brignole an und suchen uns mit dem Navi und dann immer mehr mit dem Einfachst-Stadtplan aus dem Reiseführer von Christoph Hennig unseren Weg in die Altstadt. Durch teilweise recht dunkle Gassen nähern wir uns der Kirche San Lorenzo und kommen von dort über ein paar Abbiegungen zur Pasticceria Klainguti, gegründet 1828 von einigen Brüdern aus dem Engadin, die nach Amerika auswandern wollten, aber in Genua hängen blieben und es dort mit ihren Kuchen zu etwas brachten. Mit einer Pinolata (Blätterteig mit Marzipan und Pinienkernen) und einer Tortina di Pere (Birnentörtchen) und zwei Tassen Cappuccino setzen wir uns vor die Konditorei und lassen es uns gut gehen.

Hafen von Genua

Hafen von Genua

Wir machen uns auf in den Weg zum Hafen. Das Licht ist grell, so sehr wird es durch die nicht ganz so dichten Wolken gestreut. Das Hafengelände am Porto Antico ist vor Jahren restrukturiert worden: Die alten Hafenanlagen sind nicht mehr im Dienst, alte Kräne stehen noch als Industriedenkmäler herum. Renzo Piano hat hier zu den Kolumbus-Feierlichkeiten (1992) die Biga (Mastbaum) als Denkmal aufgestellt, verbunden mit einer Veranstaltungsfläche unter Segeln. Nicht weit davon die „Bolla“ (Blase), eine Glaskugel, einen Art zu besichtigendes Gewächshaus. Ein altes Baumwoll-Lagerhaus hat man, ähnlich den Hamburger Speicherstädten, einer neuen Nutzung für Geschäfte, Bibliotheken und ein Kongresszentrum zugeführt. Nur andeutungsweise ist im Innern die alte Gebäudestruktur noch zu erkennen. Fantastisch: Vom Hafen aus sieht man, wie unüberschaubar sich Genua auf die umliegenden Anhöhen verteilt.

Via San Luca in Genua

Via San Luca in Genua

Anschließend schauen wir in die Via San Luca, ziemlich eng, aber viele Leuchtreklamen und Menschen, und ein abwechslungsreiches Gemisch aus allem. Zum Schluss noch ein Blick in die Via Balbi, eine Prachtstraße, in der allein eine Adelsfamilie 7 Paläste gebaut hat, die heute als Museen oder von der Universität Genua genutzt werden.
Ziemlich erschöpft vom vielen Laufen treten wir den Weg zurück zum Bahnhof Brignole an und überlegen uns, im Da Genio noch vorher zu essen. Schon ganz in der Nähe davon lasse ich mich vom Navi irreführen, aber schließlich landen wir doch noch dort, aber vor verschlossenen Türen. Es sollte also nicht sein: Da muss heute das Ristorante im Camping reichen. Kurz vor neun – es läuft gerade Frankreich gegen Italien – kommen wir dort an und bekommen immerhin Pizza. Jetzt haben wir noch ein bisschen vor der Hütte genossen, dass das Meer heute Abend deutlich ruhiger ist, da wächst sich allmählich das anfängliche Wetterleuchten zu einem echten Gewitter aus. Der Regen trommelt aufs Dach, vor der Hütte plätschert das Wasser aus den Regenrinnen.

3. Tag: Monterosso

Wie jeden Morgen werden wir beinahe vom Donnern geweckt: Nein, kein Gewitter, aber das Meeresrauschen ist weniger ein Rauschen als ein Donnern, mit solcher Kraft schlagen die Wellen nur zwanzig Meter unter uns ans Ufer. Der Himmel ist bewölkt, das Wetter scheint aber stabiler. Vorübergehend klart es sich so auf, dass der Tag sonnig zu werden verspricht. Da wir spät dran sind, machen wir uns über den Fels-Steine-Strand-Fußweg nach Moneglia auf, mit der Bahn nach Montorosso zu fahren und die Stadt auf uns wirken zu lassen statt zu wandern. Um kurz nach zwei erreichen wir das hübsche Städtchen. Vom Bahnhof aus latschen wir ein Stück nach links, nachdem wir irgendwo „Centro Storico“ gelesen haben, aber irgendwie scheint es, als kämen wir ans Ortsende, kehren um und erkunden das andere Ende, entdecken aber nicht viel außer einigen interessanten Pflanzen. Ich erinnere mich, dass wir einen Reiseführer mit Plan haben, so kommen wir diesmal bis zum Tunnel, der uns wirklich in die Altstadt führt.

Schon Montorosso, das doch untypisch für die Cinque Terre sein soll, ist eine wahre Farbenpracht: seien es die Häuser in Ocker- und Brauntönen, dann wieder in minz- oder hellgrün, und zu alledem das Lila der mir unbekannten Rankelpflanzen, die uns schon in Saint-Tropez so aufgefallen sind, und und und. Nach einer gemütlichen Erkundung stärken wir uns mit einer Focaccia, diese Pizza-ähnlichen Teigfladen(-stückchen) mit „Verdure“ Gemüse drauf.

Danach gönnen wir uns ein Eis und schließlich einen leckeren Cappuccino (ja, so sollte er sein!) in der Pasticceria Laura. Schließlich erstehen wir noch ein hübsches Armkettchen für Esther und machen uns allmählich auf den Rückweg.

Dabei erklimmen wir noch die Treppen zum Kapuzinerkloster, in dem ein Bild der Kreuzigung Jesu hängt, das van Dyck zugeschrieben wird, allerdings gibt es daran wohl große Zweifel. Begleitet von Gregorianischen Gesängen vom Band streifen wir durch die Kirche, sehen uns noch die Reliefs von Jesu Leidensgeschichte an und marschieren an blühenden Kakteen und Agaven vorbei hinunter zum „Lungomare“. Eine hellbraune Katze sitzt genüsslich auf einem beinahe gleichfarbigen Torpfosten und lässt sich das Fell von der Sonne bescheinen. Zurück in Moneglia finden wir eine Abkürzung an der Abbadia San Giorgio vorbei zu unserem steinigen Fußweg. Beim Laufen über den Sand fällt mir eine Passage aus Manns Zauberberg ein: „Jedoch liebte Hans Castorp das Leben im Schnee. Er fand es demjenigen am Meeresstrande in mehrfacher Hinsicht verwandt: (…) und auf ganz ähnliche Weise mühselig war das Marschieren im Schnee wie eine Dünenwanderung, es sei denn, daß die Flächen vom Sonnenbrand oberflächlich angeschmolzen, nachts aber hart gefroren waren: dann ging es sich leichter und angenehmer darauf als auf Parkett, genau so leicht und angenehm wie auf dem glatten, festen, gespülten und federnden Sandboden am Saume des Meeres.“ Den Tag beschließen wir mit leckeren Gnocchi und einer Gorgonzolasauce, für die wir gestern auf dem Markt in Moneglia den Käse gekauft haben.

2. Tag: Moneglia

Nachdem sich gestern Abend der Himmel schon zugezogen hat, ist er heute morgen erst richtig voller dunkler Wolken. Als wir uns allmählich aufmachen, zum Markt über den Fußweg nach Moneglia zu gehen, regnet es! Die Wettervorhersage aus dem Internet scheint zuzutreffen. Demnach ist bis Dienstag inklusive mit schlechtem Wetter zu rechnen. Immerhin: Im Laufe des Tages kommt die Sonne immer wieder kurz raus. Es reicht für einen positiven Eindruck der Stadt: klein und gemütlich.

Auffällig: Viele Häuser sind schön zurechtgemacht, einige mit gemalten Verzierungen, Fensterumrahmungen etc. Der Markt bietet so wie viele alles vom üblichen Billigramsch über Teures bis hin zu Obst, Gemüse, Pesto, Käse. Wir versorgen uns damit fürs erste. Am Bahnhof erkundigen wir uns nach den Verbindungen in die Cinque-Terre-Orte. Erstaunlich billig: Für weniger als 5 Euro pro Nase bis Riomaggiore und zurück. In der Via Vitt. Emmanuele setzen wir uns in eine Gelateria, um einen Cappuccino zu genießen und das stille Örtchen zu benutzen. Nur Letzteres scheint ok zu sein, der Cappuccino zu lauwarm und zu dünn. Immerhin: Das Eis, das ich mir noch genehmige, ist lecker. Nach einem Viertelstündchen am Stand auf unseren Jacken kehren wir in unseren Bungalow zurück und machen dort selbst noch einen Cappuci und genießen einen Kuchen, der ein bisschen dem deutschen Stollen ähnelt, aber darüber hinaus auch Anis und Pinienkerne enthält. Mmmmh! Gekauft im Paneficio eher am Ende der bereits erwähnten Straße. Gegen Abend wieder dunkle Wolken. Esther bemerkt, dass der Wasserzulauf zum Klo beim Spülen tropft und sich schon eine kleine Pfütze gebildet hat. Wir sind genervt. Bis zum Essenkochen sinkt die Temperatur auf gerade 20 Grad. Nun ziehe auch ich endlich mein Fleece übers Sweatshirt. Wir beschließen, die Türen zu schließen und drinnen zu kochen, um uns aufzuwärmen. Nachher ein kurzer Spaziergang über das Campinggelände: Das Positive an ihm ist die direkte Lage am Meer und der Blick. Für Camper mit Zelt oder Wohnwagen gibt es wenig Schatten und nur Kies unter dem Zelt, und die Anlagen wie Toiletten, Spülen etc. wirken lieblos.

1. Tag: Anfahrt von Kandersteg nach Moneglia

Die Fahrt heute von Kandersteg nach Moneglia hat bestens geklappt: Halb 11 haben wir den Zug nach Goppenstein bekommen. Von da aus über Brig und den Simplon.

Die Ganterbrücke ist gerade wegen Reparaturarbeiten gesperrt, daher gibt’s eine kurze Umleitung über einen Teil der (vermutlich) alten Passstraße.

Die Passhöhe ist wenig aufregend, nicht einmal der überdimensionale Adler aus Stein. Vor allem die Gegend auf der italienischen Seite hinter dem Simplonpass erinnert mich durch die Ortsnamen Varzo und Trasquera an den Krimi „Projekt Wintermond“, den ich vor ein paar Jahren gelesen habe. Hinter Domodossola wird die Staatsstraße 33 zur Autobahn A26, die an Mailand vorbei über Alessandria durch das Piemont an den ligurischen Appennin führt. Keinerlei Staus und Probleme. Bereits vor Genua beginnen sich die Tunnel zu häufen, und um Genua herum wird man – so scheint es – kreuz und quer geführt: Kurz geht es wieder Richtung Mailand, um dann nach zwei Kilometern wieder Richtung Livorno (Die Sprachausgabe vom TomTom GO 720 meint, die Stadt „Livohno“ aussprechen zu müssen) geführt zu werden.

Tunnel Sestri

Tunnel

Anschließend wieder Tunnel, Meerblick, Tunnel, Meerblick usw. In Sestri Levante runter von der Autobahn und kurz hinter Sestri beginnen die kleinen Tunnel, die ich bereits 1984 kennenlernen durfte: Damals war ich mit meinen Eltern unterwegs in der Gegenrichtung. Die Tunnel waren damals noch stockdunkel, ohne jede Beleuchtung, die auch heute noch spärlich ist. Aber vor allem: Damals hingen an den Tunneleingängen nur Schilder mit Zifferblättern, bei denen einzelne 5-Minuten-Segmente grün waren. Als dumme Landeier kannten wir sowas nicht und fuhren einfach drauflos in die Dunkelheit. Zum Glück kam uns damals nur ein Mofafahrer entgegen, und das passte bei 1,80 Meter Breite an der engsten Stelle gerade noch so. Keine Ahnung, wie das ausgegangen wäre, wenn ein Auto gekommen wäre. Heute gibt es zum Glück eindeutige Ampeln, die alle 20 Minuten grün sind.
Wir hatten heute also auch fast eine Viertelstunde Rot, und dann gings im Gänsemarsch durch fast vier Tunnel. Erst im Vierten kommt irgendwann (das Navi war schon bei „Sie haben Ihren Zielort erreicht.“) das Schild zum Camping. Danach ein Loch in der Tunnelwand, rechts raus, und schon stehen wir auf dem Campingplatz Villaggio Smeraldo. Ein freundlicher Herr weist uns einen provisorischen Parkplatz an, damit wir zur Anmeldung gehen können. Sara (genau, die hier), zeigt uns unseren Bungalow, und wir räumen unser Auto aus.
Der Campingplatz ist wirklich schön gelegen: direkt am Meer, steil abfallend auf Terrassen. Es sind hauptsächlich Bungalows, teils mit Wohnwagen kombiniert (sieht dann nach Dauercampern aus), und einige Wohnmobile und Wohnwagen. Ganz unten am Wasser ein paar Plätze für Zelte, wie bei den Wohnwagen auf Schotter statt auf Gras.

Bungalow auf dem Camping Moneglia

Bungalow auf dem Camping Moneglia

Die Bungalows: sehr einfach und zweckmäßig, manches schon arg vermackt. Ob wir morgen heißes Wasser zum Duschen bekommen, wird sich erst zeigen. Die ersten Versuche, der Leitung sowas zu entlocken, stimmen nicht optimistisch.

 

Aber die Aussicht ist klasse, und die Pizza im Campingplatzrestaurant ist ok. Morgen geht’s vielleicht nach Moneglia zum Markt.

Aussicht auf Moneglia

Aussicht auf Moneglia

Countdown läuft

So, in weniger als 12 Stunden sind wir unterwegs in den Urlaub: Eine Woche Berner Oberland und eine Woche Cinque Terre stehen vor uns. In der ersten Woche sind wir im Haus Interalpen in Kandersteg bei Cornelia. Nach einigen Winterurlauben hier wollten wir Kandersteg auch mal im Sommer erleben. Wobei man das im Moment dort kaum Sommer nennen kann: Da es im April nochmal stark geschneit hat, muss oberhalb von 2000 Metern Höhe noch recht viel wegtauen. So ist der Wanderweg zur Gemmi noch nicht frei, und auch der Weg ins Kiental übers Hohtürli ist sicher noch zu sehr verschneit. Weiter unten ist es sicher schon schön grün. Man darf also gespannt sein, wie es sich dort wandern lässt. Einen Eindruck vom aktuellen Wetter vermitteln die Webcams von Kandersteg und vom Sunnbühl oberhalb Kanderstegs.

Gespannt bin ich in jedem Fall, wie Cornelias vor wenigen Tagen eröffnete Buchhandlung „Bücherecke Kandersteg“ aussieht.

Gespannt bin ich auch auf die Cinque Terre: Gemietet haben wir, wie schon erwähnt, einen Bungalow auf dem Campingplatz Villaggio Smeraldo. Die Lage scheint traumhaft zu sein: eng an die Felsen gedrückt, auf schmalen Terrassen mit Blick auf Moneglia und seine Bucht. Einen ersten Eindruck haben wie vor einigen Jahren den Cinque Terre bekommen, als wir auf dem Rückweg aus der Toskana einen Abstecher nach Vernazza gemacht haben: Mit qualmenden Bremsen sind wir, damals noch mit dem Audi, am Parkplatz vor dem Ort angekommen, so steil und eng führte die Straße von der Hauptstraße zum Ort hinunter. Übernachtet haben wir damals auf einem der Campingplätze in Levanto.

Für die Strecke nch Moneglia werden wir von Kandersteg aus das Auto per „Bahnverlad“ durch den Lötschberg bis Goppenstein befördern lassen, dort wieder auf die Straße wechseln und dann über den Simplonpass nach Italien fahren. Ja, ich weiß, wir könnten auch gleich bis Iselle auf der italienischen Seite des Simplon verladen lassen. Aber uns macht das Pässefahren Spaß. Dahinter geht’s dann weiter über Domodossola und die A26 in großem Bogen an Mailand vorbei Richtung Genua und dann Richtung La Spezia bis Sestri Levante.

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