Allerlei aus Heidelberg, Neustadt und der Welt

Kategorie: Berner Oberland (Seite 2 von 2)

4. Tag: Der alte Gemmi-Weg

Hach, wie war der Him­mel heu­te mor­gen blau! Es wäre so schön gewe­sen. Bis wir in die Puschen gekom­men sind, war die Bewöl­kung schon so weit, dass Esther schon ganz unsi­cher war, ob es sich lohnt, das Geld für die Berg­bahn aus­zu­ge­ben, um nach Sunn­bühl rauf­zu­fah­ren. Wir hat­ten vor, den alten Weg zum Gemmi­pass bis zum Hotel Schwa­ren­bach zu lau­fen. Wir waren schon zu Fuß zur Tal­sta­ti­on unter­wegs und haben uns dann zum Hoch­fah­ren ent­schlos­sen. Zum Glück kam immer wie­der die Son­ne raus, sonst hät­ten wir uns nur geärgert.

Der Weg führt zunächst von der Berg­sta­ti­on hin­un­ter zur “Spit­tel­mat­te”, einer lan­gen, fla­chen Sen­ke, durch die das Schmelz­was­ser vom Altels fließt. Am Ende, vor­bei am “Arven­see­li”, geht’s auf­wärts durch den Hang­schutt der umlie­gen­den Ber­ge. An der rech­ten Tal­sei­te liegt dann das Berg­ho­tel Schwa­ren­bach, und zu sei­nen Füßen ein klei­ner See mit einem unbe­schreib­lich inten­si­ven Blaugrün!

Am Hotel Schwarenbach

Am Hotel Schwarenbach

Unter­wegs spiel­te das Wet­ter etwas ver­rückt. Son­nen­schein und gleich­zei­tig leich­tes Nieseln!

Das Hotel Schwa­ren­bach geht bereits bis 1742 zurück. Das ers­te Gebäu­de wur­de bald von einem Fels­sturz ver­schüt­tet, das zwei­te steht heu­te noch. Ich will nach­her noch die Geschich­te “L’au­ber­ge” von Guy de Mau­pas­sant lesen, die offen­bar in die­sem Hotel spielt und Teil der Samm­lung “Le Hor­la et autres Con­tes Cru­els et Fan­tas­ti­ques” ist. 1877 war Mau­pas­sant in Leu­ker­bad, am süd­li­chen Ende des Gemmipasses.

Nach unse­rer Rast dort und einer lecke­ren Hei­ßen Scho­ko­la­de haben wir uns ent­schlos­sen, noch ein Stück wei­ter zu lau­fen bis zum Dau­ben­see, also immer­hin 200 Höhen­me­ter und zwei Kilo­me­ter wei­ter! Die­ser Teil des Weges woll­te aller­dings kaum ein Ende neh­men. Esther und ich waren bei­de nicht mehr so fit, und erschwe­rend kam hin­zu, dass hier der Weg an eini­gen Stel­len noch schnee­be­deckt war, sodass das Gehen viel anstren­gen­der war!

Am Daubensee zur Gemmi hin

Am Dau­ben­see zur Gemmi hin

Nach ca. 40 bis 50 Minu­ten erschien der See dann doch, ein paar letz­te Schrit­te, und das eisi­ge Was­ser konn­te unse­re Füße erfri­schen! Der Gemmi­pass war hier prak­tisch schon in Sicht­wei­te, aber das wäre dann doch zuviel des Guten gewesen!

Da sich der Him­mel immer mehr zuge­zo­gen hat, haben wir uns recht bald wie­der auf den Rück­weg gemacht. Im strö­men­den Regen haben wir den letz­ten Teil durch die Spit­tel­mat­te bis Sunn­bühl zurückgelegt.

3. Tag: Hoch über dem Oeschi­nen­see – Oberbärgli

Da es heu­te Mor­gen so schien, als wür­de der Him­mel eher über Oeschi­nen­see auf­rei­ßen, haben wir uns ent­schlos­sen, dort ober­halb des Sees den Weg zu lau­fen, den man auch zum Hoh­tür­li nimmt: über Under­bär­g­li (nein, hat nichts mit dem Kräu­ter­li­kör zu tun!) zum Ober­bär­g­li und zurück über den Heu­berg zur Ses­sel­bahn Oeschi­nen. Die Tour hat es durch­aus in sich, wie sich noch zei­gen wird.

Am Hotel Oeschinensee

Am Hotel Oeschinensee

Von der Ses­sel­bahn aus führt ein mitt­ler­wei­le ziem­lich brei­ter, fest geschot­ter­ter Weg (wahr­schein­lich gera­de gut für die Hor­den, die im Hoch­som­mer kom­men) schnell hin­un­ter zum 60m tie­fen Oeschi­nen­see. Der See ist erst durch einen Fels­ab­bruch ent­stan­den, der das Abflie­ßen des Was­sers von den umlie­gen­den Ber­gen ver­hin­der­te. Er ist zu die­ser Zeit hell­grün-bläu­lich, wie vie­le Glet­scher­se­en. Durch den noch spät gefal­le­nen Schnee lie­gen hier (für die Höhe von rund 1600 Metern unty­pisch) im Moment noch Schnee­res­te bis ans Ufer hin­ter, da die Blüm­li­salp­sei­te des Sees prak­tisch immer Schat­ten hat.
Hin­ter dem Hotel Oeschi­nen­see führt der Weg erst flach am See ent­lang, gesäumt von Skulp­tu­ren hei­mi­scher Künst­ler, die sich oft auch vor­han­de­ner Baum­stümp­fe und Find­lin­ge bedient haben. Dann aber geht’s eini­ge Zeit sehr steil aufwärts.

Am Oberbärgli

Am Ober­bär­g­li

 

Nach gut einer Stun­de erreicht man – kurz hin­ter einem wah­ren Löwen­zahn­meer – am Under­bär­g­li eine klei­ne Wirt­schaft, die neben Essen und Trin­ken u.a. auch Berg­füch­se oder bes­ser: deren Fel­le anbie­tet. Hier scheint das noch poli­tisch kor­rekt zu sein …

Zwischen Oberbärgli und Heuberg

Zwi­schen Ober­bär­g­li und Heuberg

Nach einer Stär­kung mach­ten wir uns – zeit­gleich mit einem bel­gi­schen Paar und ihrem klei­nen Hund – wie­der auf den Weg hin­auf. Die bei­den Bel­gi­er frag­ten uns, ob man wohl recht­zei­tig wie­der zur letz­ten Ses­sel­bahn um 18.20 Uhr wie­der unten sei. Da wir da ganz sicher waren, lie­fen wir meist vor­aus. Die bei­den, deren Schu­he man gera­de mal sport­lich, aber nicht wirk­lich Wan­der­schu­he nen­nen konn­te, hef­te­ten sich aber wacker an unse­re Fer­sen. Ein biss­chen unsi­cher wur­den sie, als wir an einem Fels­band enge Stu­fen hin­auf­zu­klet­tern hat­ten, die aber immer­hin auf der Berg­sei­te immer mit einem Draht­seil gesi­chert waren. Auch Esther war dabei etwas mul­mig zumu­te, ging es doch neben den Stu­fen wirk­lich steil berg­ab. Doch nach fast einer hal­ben Stun­de hat­ten wir Ober­bär­g­li erreicht, ein paar Alm­hüt­ten und Stäl­le, Schnee­res­te, sonst nichts. Hier hät­ten wir bei guter Kon­di­ti­on zum Hoh­tür­li und wei­ter ins Kien­tal lau­fen kön­nen, aber uns reich­te das für heute.

Wir mach­ten uns auf den Weg Rich­tung Heu­berg: erst kurz leicht berg­auf, dann län­ge­re Zeit recht eben weit ober­halb des Sees mit wirk­lich atem­be­rau­bend schö­nen Bli­cken hin­un­ter zum See.

Bemer­kens­wert viel Schie­fer­ge­stein gibt’s hier zu sehen: Schon erstaun­lich wie sich das bei der Brü­chig­keit doch hält: Wann bricht man eine Stein­plat­te schon mit so wenig Kraft ent­zwei? Oft genug muss man durch Was­ser­läu­fe, die den Weg kreu­zen – eine ech­te Her­aus­for­de­rung für die bei­den Bel­gi­er mit ihren leich­ten Schu­hen und dem Hund. Nach­dem es am Heu­berg – wie schon kurz vor dem Under­bär­g­li – leicht zu reg­nen anfing, wur­den die Wege nur noch rut­schi­ger, aber gera­de noch zu beherr­schen. Die Ses­sel­bahn – bis­her noch unter dem Label „nost­al­gisch“ unter­wegs, wird im Herbst wohl end­gül­tig durch eine moder­ne Kabi­nen­bahn ersetzt: scha­de, denn ange­neh­mer als das bei­na­he schwe­re­lo­se Dahin­glei­ten und die Nase an der fri­schen Luft könn­te das Berg­bahn­fah­ren kaum sein, aber das wird’s dann nicht mehr geben. Seufz!

2. Tag: Auf zum Unde­re Biberg!

Nach­dem der Him­mel am frü­hen Mor­gen rela­tiv frei gewe­sen sein muss (sagt Esther), war nach dem Auf­ste­hen wie­der alles wol­ken­ver­han­gen. Wir haben es lang­sam ange­hen las­sen und uns erst gegen Mit­tag ent­schlos­sen, in Rich­tung Dol­den­horn­hüt­te auf­zu­bre­chen, wobei es eigent­lich klar war, dass wir nicht bis dort hin­auf gehen wür­den, son­dern der Weg zum Biberg aus­rei­chen wür­de. Von Kan­der­steg-Dorf aus sind wir durch den Oeschi­wald in Rich­tung Oeschi­nen­see gelau­fen, aller­dings die meis­te Zeit auf der Fahr­stra­ße. Am Bären­tritt kam dann die im Wan­der­füh­rer ange­kün­dig­te Abzwei­gung nach rechts hin­auf. Uff, war das steil! Wir gewan­nen schnell an Höhe und schon bald kam eine Fel­spas­sa­ge durch einen klei­nen Was­ser­fall, schmal, durch das Was­ser rut­schig, aber zum Glück mit Draht­sei­len gesichert.

Der rest­li­che Weg ver­lief eher eben bis leicht auf­wärts durch den Wald bis zum „Unde­re Biberg“ (ca. 1500 m). Und da war sie schon, die Abzwei­gung zur Dol­den­horn­hüt­te (rund 1900 m). Was wir ohne­hin schon ver­wor­fen hat­ten, war nun klar: Wir nah­men den Weg in Rich­tung Fisialp/Kandersteg, der wie­der ans Kan­der­tal heranführt.

Blick auf Kandersteg

Blick auf Kandersteg

Bevor es wie­der kräf­tig hin­un­ter­ging, hat­ten wir noch einen wun­der­schö­nen Blick hin­un­ter ins Dorf. Beim Hotel Dol­den­horn haben wir wie­der den Tal­bo­den erreicht. Für den ers­ten Wan­der­tag war die Stre­cke wirk­lich genug. Belohnt haben wir uns natür­lich auch: mit gepfleg­tem Cap­puc­ci­no, Erd­beer­tört­li und Rha­bar­ber­schaum­tört­li. Anschlie­ßend habe ich noch etwas wei­ter in mei­nem „Zau­ber­berg“ gele­sen, bis wir gekocht und EM gese­hen haben.

1. Tag: … und auch ein grau verhang’ner Niesen …

“Und auch ein grau verhang’ner Nie­sen kann uns die Stim­mung nicht ver­mie­sen” und “Weit in das Tal bei Kan­der­steg führ­te uns der Wan­der­weg”: Die­se Rei­me dich­te­te mein Vater vor vie­len Jah­ren mal für das Gäs­te­buch einer Feri­en­woh­nung im Ber­ner Ober­land. Heu­te Nach­mit­tag kamen wir in Kan­der­steg an, und es war, wie die Web­cam vom Ort es schon in den letz­ten Tagen andeu­te­te: Nichts von den Ber­gen zu sehen, nur Wol­ken bis ins Tal. Und teil­wei­se Sprühregen.
Die Auto­fahrt über die A5 war erstaun­lich flüs­sig, erst direkt vor dem Bas­ler Grenz­über­gang stau­te es sich mini­mal, eigent­lich fast zu ver­nach­läs­si­gen ange­sichts des EM-Eröff­nungs­spiels heu­te in Basel und der gera­de lau­fen­den „Art Basel“.

Um so schö­ner als das Wet­ter ist die Wie­se vor unse­rem Fens­ter: Dicht an dicht blü­hen hier auch ohne Son­ne schöns­te Wie­sen­blu­men aller Art:

Wiese in Kandersteg
Nach­dem wir uns gegen Abend noch das Spiel der Schweiz gegen Tsche­chi­en ange­se­hen und uns was zu essen gemacht haben, war gera­de noch Zeit für einen kur­zen Gang durchs Dorf und die Abend­nach­rich­ten. Und natür­lich für’s Anschau­en der ers­ten Bil­der und das Bloggen.

Count­down für Kan­der­steg und Cin­que Terre läuft

So, in weni­ger als 12 Stun­den sind wir unter­wegs in den Urlaub: Eine Woche Ber­ner Ober­land und eine Woche Cin­que Terre ste­hen vor uns. In der ers­ten Woche sind wir im Haus Interal­pen in Kan­der­steg bei Cor­ne­lia. Nach eini­gen Win­ter­ur­lau­ben hier woll­ten wir Kan­der­steg auch mal im Som­mer erle­ben. Wobei man das im Moment dort kaum Som­mer nen­nen kann: Da es im April noch­mal stark geschneit hat, muss ober­halb von 2000 Metern Höhe noch recht viel weg­tau­en. So ist der Wan­der­weg zur Gemmi noch nicht frei, und auch der Weg ins Kien­tal übers Hoh­tür­li ist sicher noch zu sehr ver­schneit. Wei­ter unten ist es dage­gen sicher schon schön grün. Man darf also gespannt sein, wie es sich dort wan­dern lässt. Einen Ein­druck vom aktu­el­len Wet­ter ver­mit­teln die Web­cams von Kan­der­steg und vom Sunn­bühl ober­halb Kanderstegs.

Gespannt bin ich in jedem Fall, wie Cor­ne­li­as vor weni­gen Tagen eröff­ne­te Buch­hand­lung „Bücher­ecke Kan­der­steg“ aus­sieht.

Gespannt bin ich auch auf die Cin­que Terre: Gemie­tet haben wir, wie schon erwähnt, einen Bun­ga­low auf dem Cam­ping­platz Villag­gio Sme­ral­do. Die Lage scheint traum­haft zu sein: eng an die Fel­sen gedrückt, auf schma­len Ter­ras­sen mit Blick auf Mone­glia und sei­ne Bucht. Einen ers­ten Ein­druck haben wie vor eini­gen Jah­ren den Cin­que Terre bekom­men, als wir auf dem Rück­weg aus der Tos­ka­na einen Abste­cher nach Ver­naz­za gemacht haben: Mit qual­men­den Brem­sen sind wir, damals noch mit dem Audi, am Park­platz vor dem Ort ange­kom­men, so steil und eng führ­te die Stra­ße von der Haupt­stra­ße zum Ort hin­un­ter. Über­nach­tet haben wir damals auf einem der Cam­ping­plät­ze in Levanto.

Für die Stre­cke nch Mone­glia wer­den wir von Kan­der­steg aus das Auto per „Bahn­ver­lad“ durch den Lötsch­berg bis Gop­pen­stein beför­dern las­sen, dort wie­der auf die Stra­ße wech­seln und dann über den Sim­plo­n­pass nach Ita­li­en fah­ren. Ja, ich weiß, wir könn­ten auch gleich bis Isel­le auf der ita­lie­ni­schen Sei­te des Sim­plon ver­la­den las­sen. Aber uns macht das Päs­se­fah­ren Spaß. Dahin­ter geht’s dann wei­ter über Domo­dos­so­la und die A26 in gro­ßem Bogen an Mai­land vor­bei Rich­tung Genua und dann Rich­tung La Spe­zia bis Sestri Levante.

(UPDATE 21.6.2021: Cor­ne­lia hat das Haus Interal­pen ver­kauft. Wenn es wie­der ver­mie­tet wird, wer­de ich es sicher erfah­ren und dann hier als Update den neu­en Link ergänzen.)

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