Allerlei aus Heidelberg und der Welt

Kategorie: Radfahren (Seite 2 von 2)

Leistungsschau der Pharmas?

Als ich vor Wochen in das Wartezimmer meines Arztes kam, entdeckte ich dort ein gerahmtes Poster mit Autogramm von Jan Ullrich. Ich war schon drauf und dran, ihn zu fragen, ob Ärzte das jetzt als Werbegeschenk von den Pharmareferenten bekommen.
Was man zurzeit von der Tour de France hört, ist auch nicht viel besser. Was haben die Radsportteams in den letzten Wochen vor der Tour nicht an Besserung gelobt, und einer outete sich nach dem anderen als ehemaliger Doper.
Warum sollte man mit dem ganzen Geheul um das Doping nicht Schluss machen? Die westlichen Länder, die bisher die erfolgreichen Teilnehmer der Tour de France und anderer Radrundfahrten stellen, haben eine leistungsfähige Pharmaindustrie und Medizin, und die sollten sie dem staunenden Publikum auch zeigen. Das geht auf solchen Radrundfahrten doch viel besser und emotionaler als auf trockenen Kongressen! Was machen Sponsoren wie T-Mobile, Gerolsteiner (Mineralwasser) oder Rabobank (Finanzen) auf einer solchen Veranstaltung? Könnten dort nicht Aventis, Novartis, und wie sie alle heißen, viel wirkungsvoller auftreten?
Die Tatsache, dass jetzt während der Tour reihenweise Teilnehmer wegen Dopings auffallen, zeigt doch, dass der Hochleistungsradsport nicht lernwillig oder lernfähig ist. Da könnte man also doch gleich in die Offensive gehen und sagen: Ich dope, und das ist gut so.
Könnte man, oder doch nicht? In der Tat könnte man, wenn es da nicht doch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Sportlern wäre. Sowohl den Dopenden als auch den Sauberen, die wirklich aus Sportsgeist fahren. Den Dopenden gegenüber, weil sie auch nur Menschen sind, ziemlich Dumme zwar, sonst würden sie es nicht tun, aber immerhin. Den Nicht-Dopenden gegenüber, weil auch sie Anspruch auf einen – auf allen Ebenen – sauberen Sport haben und gar nicht in eine Maschinerie der künstlichen Leistungssteigerung kommen sollen, der sie sich aus Leistungs- und Erwartungsdruck kaum entziehen können.

Neckartal per Rad und Autos ohne Ende

Wow – die zweite Tour in diesem Jahr: Mit den Rädern sind wir heute Nachmittag das Neckartal entlang nach Neckarsteinach rausgefahren. Mir war schon klar, dass das angesichts der vielen Autos nicht unbedingt das Nonplusultra war, doch landschaftlich ist es einfach schöner, als in oder an der Rheinebene entlang zu fahren. Aber ich habe wirklich das Gefühl, das der Autoverkehr seit meiner letzten Tour ins Neckartal, die schon einige Jahre zurückliegt, weiter zugenommen hat. Radwegetechnisch stagniert Heidelberg ohnehin seit etlichen Jahren. Hier und da sind im Neckartal mal einige schmale Radwege (die vom ADFC bekämpften Bordsteinradwege) vorhanden, an einigen Stellen sogar mit der praktischen Möglichkeit, sich zu begegnen.
Nachdem ich dort, wo es schon für mich als Normalradler sehr schmal wurde, auf die Straße gewechselt war, traute ich meinen Augen kaum: Auf dem Radweg kam in entgegengesetzter Richtung ein wohlmeinender Familienvater mitsamt dem schmalen Chariot-Kinderanhänger (! Es gibt auch noch eine normal breite Version) den Rad- und Gehweg entlang! Nicht genug, dass zur Straße hin klobige Begrenzungssteine stehen, sind auf der Flussseite zusätzlich Bäume, die den Weg verengen. Ob besagter Familienvater daran dachte, mit Anhänger unterwegs zu sein oder nicht: Mit seinem linken Rad schrammte er so am Baum vorbei, dass der Anhänger einen kräftigen Schlag nach rechts bekam, weil das linke Rad von der Baumwurzel angehoben wurde. Als Kind hätte ich jetzt wahrscheinlich durch den Schreck heftigst angefangen zu schreien …
Jetzt wird mancher sagen: Aber laut StVO ist so ein Radweg doch gar nicht benutzungspflichtig! Ich sag’s mit Goethes Faust: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens güldner Baum“. An diesen Stellen hat sich selbst der Heidelberger ADFC schon die Zähne ausgebissen … Das Neckartal ist hier so eng, dass, wenn man hier vernünftige Verhältnisse zum Radfahren schaffen wollte, man entweder den Autoverkehr auf eine einzige Spur verengen, die Straße untertunneln, Vorgärten wegreißen oder die Straße auf den Neckar hinausragend erweitern müsste. Irgendeinen Volkszorn würde man also in jedem Fall hervorrufen.
Als Radler an der Basis bleibt einem also fast nur die Möglichkeit, das Fahrrad mit in den Zug zu nehmen und rauszufahren oder es – sinnigerweise – aufs Autodach zu schnallen und sich in die Autokolonnen zu drücken, frei nach dem Motto: Stau mal wieder!

Allmählich wirds wieder kalt

Nachdem in Heidelberg kurz vor dem Wochenende wieder Frühlingstemperaturen herrschten, dachte ich, ich muss mein Winterfleece wieder aus der Ganzjahresjacke nehmen, aber das war wohl nur ein Intermezzo. Meine Wetterstation zeigt heute abend wieder 10 Grad, da kann ich es wohl getrost drin lassen. Das Einzige, was dann die Tage doch überflüssig und schnell zu entfernen war, waren meine Hot Ears: absolut praktische Ohrwärmer für den Helm. Eigentlich nur zwei Stück Fleece, die zu einer Art Trichter geformt sind und über die Helmriemen gezogen werden. Sie halten sich dort über einen innen liegenden Klettverschluss. Man erhält sie sicher in einigen Fahrradläden. Ich habe sie beim Kleinen Radhaus in Heidelberg entdeckt, online gab es sie beim Radversand Brügelmann.

Kommunalwahl in HD

Wer mal auf die Websites der drei aussichtsreichsten Kandidaten für die OB-Wahl schaut, sieht, dass nur Würzner das Thema Radverkehr erwähnt, und das nur in einer Weise, die nichts Gutes erwarten lässt: Er spricht von einer gleichberechtigten Berücksichtigung aller Verkehrsarten und sieht den Autoverkehr hier nicht als gleichberechtigt, sondern als benachteiligt an. Sowohl Thimm als auch Dieter schweigen sich auf den Websites zum Thema Radverkehr aus. Naja, man wird heute abend sehen, wer vorne ist. Entscheidend werden wohl andere Themen sein… Von einer Stichwahl gehe ich aus, und ich schätze, dass Würzner und Thimm vorne liegen. Für mich hat Dieter keine Chance: Null Ausstrahlung, in der Stadt unbekannt, usw. Ansonsten ist da noch Weiler-Lorentz, der im Gemeinderat zwar viel in Sachen Radverkehr tut, aber als Vertreter der "Bunten Linken" wohl keine Chance hat. Wer mehr über die Positionen der OB-Kandidaten wissen will, ist auf die Zusammenfassung einer Veranstaltung angewiesen, die Peter Winker vom Heidelberger ADFC geschrieben hat.

Blick in die Lokalpolitik

Beate Weber

Von Michael Weiss, Germany – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1331718

In rund 16 Jahren OB Beate Weber hat sich sicher einiges getan in Sachen Fahrradfreundlichkeit der Stadt. Besonders am Anfang hat der Verkehrsentwicklungsplan ein bisschen bewirkt, doch mit der Zeit scheinen OB und Gemeinderat immer mehr Angst vor der eigenen Courage bekommen zu haben. Zudem ist mit den sich ändernden Gemeinderatsmehrheiten die Unterstützung für das Radfahren in Heidelberg meiner Meinung nach immer schwächer geworden.
Im momentanen OB-Wahlkampf hört man in Sachen Verkehr ohnehin nicht mehr viel, was in dieser Richtung deutliche Fortschritte bringen könnte. Wer etwas anderes weiß, möge mich berichtigen.

Eckhard Würzner

Von Hentschel – Stadt Heidelberg, Attribution, Link

Einer der Favoriten, Eckart Würzner, ist als Ziegelhausener Reihenhausbesitzer ohnehin in einem fast am Hang gelegenen an Radfahrern armen Stadtteil zuhause und wird vor allem von der traditionell eher autofreundliche CDU unterstützt. Caja Thimm, Kommunikationswissenschaftlerin und Grüne, erwähnt den Radverkehr ab und zu. Ihre eigene Fraktion im Gemeinderat entscheidet allerdings offenbar oft genug nach Kuhhandelmanier. Du stimmst mir hier zu, ich stimm dir dort zu, sodass Entscheidungen auch in diesem Bereich eher taktischer Natur sind. Von Jürgen Dieter (SPD) als Auswärtigem ist in Zeiten knapper Kassen wohl in dieser Hinsicht auch nicht viel zu erwarten. Alle anderen Kandidaten sind ohnehin chancenlos. Mal sehen, ob ich noch einen Blick in offizielle Verlautbarungen der Kandidaten erhaschen kann. Caja Thimm hat ja vor kurzem mit einem Podcast begonnen: Schlaflos in Heidelberg. Mal sehen, was da zu hören ist. Von Würzner liest man auf wuerznerbewegt.de, und Jürgen Dieter findet man unter juergen-dieter-heidelberg.de. Ich bin gespannt.

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