Allerlei aus Heidelberg, Neustadt und der Welt

Kategorie: Ohren- und Augenschmaus

Qua­dro Nue­vo wie­der im Süd­wes­ten auf Tour

Im letz­ten Jahr hat­te ich in Alt­rip ein Kon­zert von Qua­dro Nue­vo genie­ßen kön­nen. Jetzt sind sie wie­der in der Regi­on unter­wegs. Das aktu­el­le Kon­zert­pro­gramm zwi­schen Tan­go und Welt­mu­sik hat das Quar­tett aus den Per­len sei­ner bis­her sechs CDs zusam­men­ge­stellt. Auch Neu­es wird zu hören sein. Dar­über hin­aus inter­pre­tie­ren die vier Lie­der der aktu­el­len Qua­dro Nue­vo CD „tan­go bit­ter sweet“. Ein­zi­ger Wer­muts­trop­fen: Gitar­rist Robert Wolf wird wegen Krank­heit nicht dabei sein und ersetzt durch Eve­lyn Huber an der Harfe.

Wer sich die­sen musi­ka­li­schen Lecker­bis­sen nicht ent­ge­hen will, hier die Kon­zert­ter­mi­ne im Süd­wes­ten: unter ande­rem 27.9. Fil­der­stadt, 28.9. Lin­dau, 18.10.,Karlsruhe, 23.10. Rott­weil, 26.11. Speyer.
Goethes "Italienische Reise" von Quadro NuevoÜbri­gens hat Qua­dro Nue­vo in Zusam­men­ar­beit mit dem Baye­ri­schen Rund­funk sowie u.a. Ulrich Tukur und Ulri­ke Krie­ner sein ers­tes Hör­buch “Johann Wolf­gang von Goe­the: Die ita­lie­ni­sche Rei­se” ver­öf­fent­licht. Infos dazu unter www.quadronuevo.de.

“Haz­mat Modi­ne” und “Moriar­ty” beim Zel­ti­val Karlsruhe

Hazmat Modine

Haz­mat Modi­ne bei der WOMEX 2008 in Sevil­la – Quel­le: http://www.hazmatmodine.com/slideshow1/slide01.html

Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te das Maga­zin “Nacht­kul­tur” im SWR Fern­se­hen über “Haz­mat Modi­ne” berich­tet, als sie in Lud­wigs­ha­fen waren, jetzt war es jetzt end­lich an der Zeit, sie mal live zu erleben.
“Haz­mat Modi­ne” ist eine Super Blues- nein, Jazz‑, nein, Klezmer‑, hm, eigent­lich Quer­beet­band, die ver­schie­dens­te Musik­sti­le der ame­ri­ka­ni­schen Wur­zeln mit­ein­an­der auf so span­nen­de und unver­wech­sel­ba­re Art ver­knüpft, dass ein herz­er­fri­schen­der Mix ent­steht, der einem kaum aus dem Ohr geht.

Mit acht Leu­ten ste­hen sie auf der Büh­ne: E‑Gitarre mit ent­spre­chen­dem Bass und Schlag­zeug, ein Afro­ame­ri­ka­ner mit Tuba, eine Posau­nis­tin, ein Saxo­fo­nist und zwei Sän­ger, dar­un­ter der Lead­sän­ger, die bei­na­he alle ande­ren mit ihren Mund­har­mo­ni­kas oder “Blues Harps” in Grund und Boden spielen.

Zwei­ter Act des Abends beim Karls­ru­her Zel­ti­val war die Pari­ser Com­bo “Moriar­ty”. Dazu schrei­be ich spä­ter was.

Qua­dro Nue­vo – tan­go bit­ter sweet

Quadro Nuevo

Mit Qua­dro Nue­vo konn­te ich am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de in Alt­rip einen beson­de­ren Ohren­schmaus genie­ßen: Das Kul­tur­fo­rum
Alt­rip
hat­te das Quar­tett „Qua­dro Nue­vo“ ein­ge­la­den, und der Saal im Regi­no-Zen­trum am Lud­wigs­platz war fast aus­ver­kauft, auch wenn es offen­bar kaum Alt­ri­per unter den Besu­chern gab. Unter dem Titel „Tan­go bit­ter sweet“ prä­sen­tier­ten die unglaub­lich viel­sei­ti­gen Musi­ker Tan­gos und Anver­wand­tes (nicht nur) mit ihrer Stan­dard­be­set­zung aus Gitar­re, Akkor­de­on, Kla­ri­net­te und Kon­tra­bass. Es war ein fan­tas­ti­scher Mix aus west­li­chen und ori­en­ta­li­schen Ein­flüs­sen vol­ler Sehn­sucht und Leidenschaft.

„Tan­go bit­ter süß“ – bes­ser könn­te der Titel den Gegen­satz aus Lie­bes­schmerz und Lei­den­schaft, Ori­ent und Okzi­dent, Nost­al­gie und neu­er Welt­mu­sik kaum beschrei­ben, wie ihn „Qua­dro Nue­vo“ zum Aus­druck bringt. Und das Gan­ze kom­bi­niert das Quar­tett mit Spiel­freu­de und Vir­tuo­si­tät. Die Viel­falt der Instru­men­te (gan­ze 27 zählt die infor­ma­ti­ve Web­site www.quadronuevo.de auf und zeigt sie mit Klang­bei­spie­len), die die Musi­ker beherr­schen, ist erstaun­lich, und eben­so ver­blüf­fend ist es, was bei­spiels­wei­se Mulo Fran­cel aus sei­ner Con­tra-Bass-Kla­ri­net­te her­aus­holt. Stre­cken­wei­se meint man, ein Did­ge­ri­doo zu hören, so zau­bert er die Ober­tö­ne aus dem alten Instru­ment hervor.

Erst­klas­sig ist auch Gitar­rist Robert Wolf, der in der Ver­gan­gen­heit u.a. mit Paco de Lucia auf Tour war. Und wenn er die Bouz­ou­ki statt der Gitar­re nimmt, könn­te man glau­ben, er sei im Ori­ent auf­ge­wach­sen. Apro­pos Ori­ent: Nicht nur Titel der CD „Tan­go bit­ter sweet“ war im Pro­gramm, son­dern auch ein Titel von der neu­en CD „Antakya”. In Antakya, dem anti­ken Antio­chia, hat „Qua­dro Nue­vo“ Musik zum Film „Zwei hal­be Leben sind kein Gan­zes“ kom­po­niert und aufgenommen.

D. D. Low­ka zupft nicht nur her­vor­ra­gend den Kon­tra­bass, son­dern streicht und klopft und trom­melt auf ihm her­um, dass es eine wah­re Freu­de ist. Nicht dass es ihm an Per­cus­sion-Instru­men­ten man­geln wür­de: Ob Bon­go, Tab­la oder Vibra­phon, alles ist drin.

Unent­behr­lich beim Tan­go ist das Akkor­de­on (oder noch bes­ser das Ban­do­ne­on). Andre­as Hin­ter­se­her, der eher aus der Tra­di­ti­on des Muset­te-Wal­zers kommt, bringt mit sei­nen Instru­men­ten die Sehn­sucht des Tan­gos meis­ter­haft zum Aus­druck. Noch nie gehört hat­te ich bis­her ein Vibran­do­ne­on, das wie eine Melo­di­ka gebla­sen wird, aber aus Holz gefer­tigt ist und Stimm­zun­gen wie in einer Mund­har­mo­ni­ka ent­hält. Zart gespielt, klingt es beson­ders wehmütig.

Die Stü­cke rei­chen von völ­lig neu­en, über­ra­schen­den Arran­ge­ments bekann­ter euro­päi­scher Chan­sons wie Dali­das „Paro­les, Paro­les“ oder (die lang­sa­me, lei­se, ganz abseits der Mikro­fo­ne gespiel­te Über­ra­schung des Abends) Hil­de­gard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen reg­nen“ bis hin zu tur­bu­len­ten Klas­si­kern wie Khat­cha­tu­ri­ans Säbel­tanz, Eigen­kom­po­si­tio­nen und Improvisationen.

Wer die Gele­gen­heit hat, soll­te sich einen Auf­tritt von „Qua­dro Nue­vo“ nicht ent­ge­hen las­sen: Zu sehen und hören sind sie bis zum Win­ter noch in ver­schie­dens­ten Orten zwi­schen dem Schwar­zen Meer, Mühl­dorf am Inn und Ikaa­li­nen in Finnland.

Der Besuch der sehr infor­ma­ti­ven Web­site www.quadronuevo.de lohnt sich ebenfalls.

© 2021 tauberschmidt.de

Theme von Anders NorénHoch ↑