Wir haben in den letz­ten Tagen in den Info­ma­te­ria­li­en die Beschrei­bung des Kul­tur­wan­der­pfa­des “Sen­tier des Lau­zes” gefun­den, der uns sehr gereizt hat. Heu­te sind wir hin­ge­fah­ren, und es hat sich gelohnt.

In Saint-Méla­ny im Dro­bie-Tal ist vor eini­gen Jah­ren der Kul­tur­wan­der­weg “Sen­tier des Lau­zes” ein­ge­rich­tet wor­den, auf dem Wer­ke von Künst­lern in der Land­schaft aus­ge­stellt sind, die vor Ort als Gast­künst­ler ein­ge­la­den wur­den, um sich mit Land und Leu­ten künst­le­risch aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die Bezeich­nung “Sen­tier des Lau­zes” weist schon dar­auf hin, dass “les lau­zes”, also die Schin­deln, wie sie hier oft für Dächer und Mau­ern ver­wen­det wer­den, eine Rol­le spie­len und die Orts­ver­bun­den­heit zeigen.
Doch zuerst zur Anfahrt. Nur weil das Navi gegen­über der Stre­cke über Les Vans und Joy­eu­se fünf Minu­ten Zeit­vor­sprung ver­sprach, pro­bier­ten wir eine Stre­cke “hin­ten­rum” über klei­ne Stra­ßen, die sich als wirk­lich wun­der­schön erwies. Über eine ganz schma­le Stra­ße direkt beim “Lou Pelou” fuh­ren wir run­ter nach Gra­viè­res und jen­seits des Chas­se­zac hin­auf nach Sey­ras und von dort an ein lan­ges Stück ein­fach durch ein Wald­ge­biet und wun­der­schö­ne Hei­de­flä­chen, nicht wie man sie meist kennt, mit vio­let­ten Blü­ten, son­dern rotbraun.

Nach eini­ger Zeit erreicht man Pey­re und biegt kurz dahin­ter mit einem wun­der­schö­nen Blick in das Tal der Dro­bie nach rechts ab und kommt über Sab­liè­res ins Ört­chen Saint-Méla­ny. Das Dro­bie­tal, zumal der obe­re Teil, zeich­net sich beson­ders durch sei­ne Natür­lich­keit aus. Auch Saint-Méla­ny war an die­sem Tag eher ver­schla­fen. Wir haben unser Auto hin­ter dem Ort abge­stellt und den Pfad “Sen­tier des Lau­zes” gefun­den, der an ein paar Häu­sern und Gehöf­ten vor­bei ins Sei­ten­tal der Tan­ar­gue führt, größ­ten­teils durch Wald.Sentier des Lauzes: Oto Date von Akio SuzukiNach einer hal­ben Stun­de haben wir ein ers­tes Kunst­werk des Japa­ners Akio Suzu­ki am Weg­rand ent­deckt, oder bes­ser gesagt, sei­nen ers­ten Teil: “Oto Date”: Eine Zement­plat­te mit einer Art Nega­tiv­re­li­ef (Ver­tie­fung), das ein Ohren­paar und gleich­zei­tig ein Paar Füße dar­stellt. An die­ser Stel­le soll man die Augen schlie­ßen und die Geräu­sche der Umge­bung (für uns vor allem das Rau­schen des Wal­des) auf sich wir­ken las­sen. Oder man lässt den Blick über das Sei­ten­tal der Tan­ar­gue schwei­fen und ent­deckt auf der ande­ren Sei­te den Wei­ler Le Char­nier. Sie­ben Orte nicht nur auf die­sem Sen­tier, son­dern auch auf der ande­ren Sei­te des Tan­ar­gue oder der Dro­bie hat Suzu­ki aus­ge­wählt, um die Men­schen auf die beson­de­ren Ver­bin­dun­gen, Aus­bli­cke und Echos auf­merk­sam zu machen, die es auf den ört­li­chen Wegen wahr­zu­neh­men gibt. Er hat bei sei­ner Arbeit auch den tra­di­tio­nel­len klei­nen Wege­ver­bin­dun­gen nach­ge­spürt, die seit dem moder­nen Stra­ßen­bau teil­wei­se ihre ursprüng­lich rein funk­tio­na­le Bedeu­tung zuguns­ten der eines Spa­zier­wegs ver­lo­ren haben. Hier braucht es schon beson­ders viel Ruhe und Besin­nung, um Suzu­kis Wahr­neh­mun­gen nach­zu­voll­zie­hen. Die Idee, dem Besu­cher die­se Orte nahe­zu­brin­gen, ist bemerkenswert.

Ein gan­zes Stück wei­ter ist eine wun­der­schö­ne Tro­cken­mau­er zu ent­de­cken, auf der und um die her­um 20 Figu­ren zu sehen sind. “Paro­les de Lau­zes” hat der mexi­ka­ni­sche Künst­ler Dom­in­go Cis­ne­ros sie genannt, der sie aus den dün­nen Schin­deln her­ge­stellt hat. Am pro­mi­nen­tes­ten ist dabei wohl die Rei­he von Köp­fen auf der Tro­cken­mau­er selbst. Dar­über hin­aus befin­det sich eher zum Tan­ar­gue-Tal hin ein Adler (oder Engel?) “El Espi­ri­tu de la Mon­ta­na” sowie eine Per­so­nen­grup­pe “Fami­lia” sowie ein gro­ßes Son­nen­rad “El sol”.

Schließ­lich und end­lich sind wir noch bis zum so genann­ten “Éch­ap­pée” gekom­men, einer klei­nen Hüt­te am Ran­de einer alten land­wirt­schaft­li­chen Par­zel­le, die – typisch für hier – noch ter­ras­sen­för­mig und mit Tro­cken­mau­ern ange­legt ist. “Éch­ap­pée” – das kommt von “éch­ap­per” = flüch­ten, ent­kom­men. Und so ist die­se Hüt­te ein Flucht­ort, ein Zufluchts­ort, um Künst­lern, Wis­sen­schaft­lern, Stu­den­ten einen Ort zu geben, an dem sie in Ruhe an einem Objekt oder Pro­jekt oder ein­fach an ihren Gedan­ken arbei­ten kön­nen. Bevor­zugt ermög­licht der Ver­ein, der den Weg und die Hüt­te betreibt, natür­lich Pro­jek­te, die einen Bezug zu den Ein­woh­nern und zur Gegend haben.

Von oben, vom Weg her ist eher nur das Dach und die holz­ver­klei­de­te Sei­ten­wand bzw. die Tro­cken­mau­ern zu sehen, und wir hat­ten das Glück, dass gera­de nie­mand dort war, um das Refu­gi­um näher in Augen­schein zu neh­men. Es ist ein­fach ein­ge­rich­tet, hat aber alles, was man zum über­le­ben braucht, und das ganz ohne den typi­schen Touch einer all­zu volks­tüm­li­chen Hüt­te: Ein stren­ger Kubus aus Tro­cken­mau­ern mit einem Vor­bau aus Glas und vor­ge­bau­ten, ver­ti­ka­len Holz­stre­ben, die zumin­dest seit­lich einen Sicht­schutz dar­stel­len. Zum Tal hin gibt es eine gro­ße Glas­front, sodass der Über­gang von Hüt­te in die Natur eher flie­ßend ist. Vor der Tür eine Holz­ter­ras­se mit bereits leicht ver­wit­ter­ten Ses­seln und Tischen aus Holz. Hier könn­te ich es auch ein Weil­chen aushalten!

Es war scha­de, das wir nicht die Zeit hat­ten, den gan­zen Weg zu gehen (oder zu spät auf­ge­bro­chen waren ;-)). Aber so haben wir einen Grund, noch ein­mal herzukommen.