8.30 Uhr, der Him­mel über den Cin­que Terre ist fast wol­ken­los und etwas die­sig, nur über den Ber­gen hän­gen noch nied­ri­ge Wol­ken. So ganz weiß man nicht, wie es sich ent­wi­ckelt. Wir sind opti­mis­tisch und beschlie­ßen zu wan­dern. Wo, das ist noch nicht klar. Wir gehen zum Bahn­hof und kau­fen Kar­ten nach Mon­to­ros­so, um dort wei­ter­zu­se­hen. Alle Stre­cken sind begeh­bar, und wir beschlie­ßen in Mon­te­ros­so, nach Ver­naz­za zu wan­dern mit der Opti­on, bis Cor­nig­lia wei­ter­zu­wan­dern, wenn wir noch fit genug sind.

Muretti a Secco (Trockenmauern) in Monterosso, typisch für die Cinque Terre

Muret­ti a Sec­co (Tro­cken­mau­ern) in Monterosso

Der Auf­stieg über den schma­len Trep­pen­weg und noch schma­le­re Pfa­de ist hef­tig, und es gibt reich­lich Gegen­ver­kehr. Den­noch: die meis­ten Wan­de­rer sind sehr freund­lich und zuvor­kom­mend und grü­ßen und/oder las­sen pas­sie­ren. Und roter Mohn, gel­ber Gins­ter und vie­len ande­re blü­hen­de Pflan­zen bis hin zu den rie­si­gen Aga­ven­blü­ten ent­schä­di­gen für den Schweiß.

Nicht zu ver­ges­sen die Aus­sich­ten hin­un­ter nach Mon­te­ros­so, auf die Mee­res­bran­dung unten an den Fel­sen und auf die hier typi­schen Ter­ras­sen­fel­dern mit den hier typi­schen „muret­ti a sec­co“, den für die Cin­que Terre typi­schen Tro­cken­mau­ern, die gehegt und gepflegt wer­den wol­len, da sie sonst ein­stür­zen und der Boden­ero­si­on in die­ser Kul­tur­land­schaft Tür und Tor öff­nen. Nach dem hef­ti­gen Auf­stieg geht es eini­ge Zeit leicht auf und ab, bis nach knapp zwei Stun­den Ver­naz­za immer deut­li­cher wird. Ein klei­ner Rast­platz lädt zwar zum Ver­wei­len ein, aber er ist in der pral­len Son­ne, sodass wir lie­ber weitergehen.

Vernazza von oben

Ver­naz­za von oben

Spä­tes­tens beim Abstieg nach Ver­naz­za nimmt der Anteil der sicht- und hör­ba­ren Ame­ri­ka­ner deut­lich zu. Der Blick auf die male­ri­sche Stadt ist ein­fach traum­haft, und auch im Städt­chen gibt es immer wie­der Net­tes zu sehen: von Kat­zen, die sich gemüt­lich in einer Ecke räkeln, über eine Frau, die die Wäsche vors Fens­ter hängt bis hin zu den älte­ren Män­nern, die unter dem Schild des Par­ti­to Demo­cra­ti­co sit­zen und palavern.

Nein, so über­lau­fen wie die Stadt von Tou­ris­ten ist, sie hat schon auch ihr Eigen­le­ben. Zwi­schen­durch genie­ßen wir noch ein lecke­res Eis (die ers­te Eis­die­le auf der rech­ten Sei­te der Haupt­gas­se vom Berg her gese­hen macht ein her­vor­ra­gen­des Cioc­co­la­ta-Pepe­ron­ci­no, inten­siv scho­ko­la­dig und gleich­zei­tig scharf!) und einen sehr guten Cap­puc­ci­no in der Eisdiele/Pasticceria “Da Stalín”.


Gegen halb sie­ben tre­ten wir den Rück­weg an, besor­gen in Mone­glia ein paar Zuta­ten zum Gril­len und schrei­ben nach dem Essen noch Postkarten.