Heu­te schau­en wir uns Mon­te­ros­so an. Wie jeden Mor­gen wer­den wir bei­na­he vom Don­nern geweckt: Nein, kein Gewit­ter, aber das Mee­res­rau­schen ist weni­ger ein Rau­schen als ein Don­nern, mit sol­cher Kraft schla­gen die Wel­len nur zwan­zig Meter unter uns ans Ufer. Der Him­mel ist bewölkt, das Wet­ter scheint aber sta­bi­ler. Vor­über­ge­hend klart es so auf, dass der Tag son­nig zu wer­den ver­spricht. Da wir spät dran sind, machen wir uns über den Fels-Stei­ne-Strand-Fuß­weg nach Mone­glia auf, mit der Bahn nach Mon­to­ros­so zu fah­ren und die Stadt auf uns wir­ken zu las­sen statt zu wan­dern. Um kurz nach zwei errei­chen wir das hüb­sche Städt­chen. Vom Bahn­hof aus lat­schen wir ein Stück nach links, nach­dem wir irgend­wo „Cen­tro Sto­ri­co“ gele­sen haben, aber irgend­wie scheint es, als kämen wir ans Orts­en­de, keh­ren um und erkun­den das ande­re Ende, ent­de­cken aber nicht viel außer eini­gen inter­es­san­ten Pflan­zen. Ich erin­ne­re mich, dass wir einen Rei­se­füh­rer mit Plan haben, so kom­men wir dies­mal bis zum Tun­nel, der uns wirk­lich in die Alt­stadt führt.

Fensterladen in Monterosso

Fens­ter­la­den in Monterosso

Schon Mon­to­ros­so, das doch unty­pisch für die Cin­que Terre sein soll, ist eine wah­re Far­ben­pracht: sei­en es die Häu­ser in Ocker- und Braun­tö­nen, dann wie­der in minz- oder hell­grün, und zu alle­dem das Lila der mir unbe­kann­ten Ran­kel­pflan­zen, die uns schon in Saint-Tro­pez so auf­ge­fal­len sind, und und und. Nach einer gemüt­li­chen Erkun­dung stär­ken wir uns mit einer Focac­cia, die­se Piz­za-ähn­li­chen Teigfladen(-stückchen) mit „Ver­du­re“ Gemü­se drauf.

Blühende Bäume in Monterosso

 

Danach gön­nen wir uns ein Eis und schließ­lich einen lecke­ren Cap­puc­ci­no (ja, so soll­te er sein!) in der Pas­tic­ce­ria Lau­ra. Schließ­lich erste­hen wir noch ein hüb­sches Arm­kett­chen für Esther und machen uns all­mäh­lich auf den Rückweg.

Liegestühle am Strand von Monterosso

Lie­ge­stüh­le am Strand von Monterosso

 

Dabei erklim­men wir noch die Trep­pen zum Kapu­zi­ner­klos­ter, in dem ein Bild der Kreu­zi­gung Jesu hängt, das van Dyck zuge­schrie­ben wird, aller­dings gibt es dar­an wohl gro­ße Zwei­fel. Beglei­tet von Gre­go­ria­ni­schen Gesän­gen vom Band strei­fen wir durch die Kir­che, sehen uns noch die Reli­efs von Jesu Lei­dens­ge­schich­te an und mar­schie­ren an blü­hen­den Kak­teen und Aga­ven vor­bei hin­un­ter zum „Lungo­ma­re“. Eine hell­brau­ne Kat­ze sitzt genüss­lich auf einem bei­na­he gleich­far­bi­gen Tor­pfos­ten und lässt sich das Fell von der Son­ne beschei­nen. Zurück in Mone­glia fin­den wir eine Abkür­zung an der Abba­dia San Gior­gio vor­bei zu unse­rem stei­ni­gen Fuß­weg. Beim Lau­fen über den Sand fällt mir eine Pas­sa­ge aus Manns Zau­ber­berg ein: „Jedoch lieb­te Hans Cas­torp das Leben im Schnee. Er fand es dem­je­ni­gen am Mee­res­stran­de in mehr­fa­cher Hin­sicht ver­wandt: (…) und auf ganz ähn­li­che Wei­se müh­se­lig war das Mar­schie­ren im Schnee wie eine Dünen­wan­de­rung, es sei denn, daß die Flä­chen vom Son­nen­brand ober­fläch­lich ange­schmol­zen, nachts aber hart gefro­ren waren: dann ging es sich leich­ter und ange­neh­mer dar­auf als auf Par­kett, genau so leicht und ange­nehm wie auf dem glat­ten, fes­ten, gespül­ten und federn­den Sand­bo­den am Sau­me des Mee­res.“ Den Tag beschlie­ßen wir mit lecke­ren Gnoc­chi und einer Gor­gon­zo­la­sauce, für die wir ges­tern auf dem Markt in Mone­glia den Käse gekauft haben.