Allerlei aus Heidelberg, Neustadt und der Welt

Jahr: 2012

Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung mit Unter­stüt­zung von E‑Books

Binnendifferenzierung mit Richard Wrights Black BoyEines der Ergeb­nis­se mei­ner Bemü­hun­gen um Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung ist die Erstel­lung unter­schied­lich anspruchs­vol­ler Lek­tü­re­tei­le für Tei­le mei­ner Klas­se, für die ich zwar nicht im Unter­richt, aber immer­hin für die Vor­be­rei­tung E‑Books als digi­ta­le Grund­la­ge nut­zen konnte.
Im ver­gan­ge­nen Schul­jahr habe ich in mei­ner 9. Klas­se einer Wal­dorf­schu­le eine eng­lisch­spra­chi­ge Easy-Rea­der-Aus­ga­be des auto­bio­gra­fi­schen Romans “Black Boy” von Richard Wright behan­delt. Die­se Aus­ga­be ist für eini­ge Schü­ler defi­ni­tiv zu ein­fach, sowohl im Wort­schatz als auch im Satz­bau. Für eini­ge Kapi­tel habe ich mit­hil­fe von Calibre Tex­te in die Text­ver­ar­bei­tung geholt, mit Wort­er­klä­run­gen ver­se­hen und an die schnel­le­ren Schü­ler mit spe­zi­el­len Auf­ga­ben­stel­lun­gen verteilt.

Das Ergeb­nis: Die aus­ge­wähl­ten  Schü­le­rin­nen und Schü­ler konn­ten die Ori­gi­nal­ver­si­on des Romans durch­aus ver­ste­hen und ohne wei­te­res die höhe­re Qua­li­tät nicht nur erken­nen, sie wuss­ten sie auch zu schät­zen. Ein Resul­tat, das mich ermu­tigt, in ähn­li­chen Fäl­len wie­der so zu ver­fah­ren und für eine neue 9. Klas­se das so für alle Kapi­tel vor­zu­be­rei­ten, um noch stär­ker zwei­glei­sig zu fahren.

Buch­tipp: Hanns-Josef Ortheils “Die Erfin­dung des Lebens”

Buchcover Hanns-Josef Ortheil Erfindung des LebensUnd wie­der ist mir ein lite­ra­ri­scher Lecker­bis­sen in die Hän­de gefal­len, dies­mal durch eine Emp­feh­lung aus mei­ner Fami­lie: Hanns-Josef Ortheils “Die Erfin­dung des Lebens”.

Abso­lut fes­selnd beschreibt Ortheil in sei­nem auto­bio­gra­fi­schen Roman sei­ne erst zwan­zig Lebens­jah­re, von denen er eini­ge sei­ner Kind­heit völ­lig stumm ver­brach­te, in einem extrem engen Ver­häll­t­nis zu sei­ner Mut­ter, die eben­falls, aller­dings durch ein psy­chi­sches Trau­ma, die Stim­me Wei­ter­le­sen

RSS-Feeds – ein alter Hut? Im Gegenteil!

Icon für RSS-FeedsRSS-Feeds ermög­li­chen das Lesen von Neu­ig­kei­ten, ohne das Mail­post­fach zu verstopfen.

Vie­le Inter­net­nut­zer, die noch nicht ganz in der digi­ta­len Welt zuhau­se sind, nut­zen nach wie vor E‑Mail News­let­ter, um sich über Neu­ig­kei­ten auf bestimm­ten Web­sites auf dem Lau­fen­den zu hal­ten. Dabei gibt es (bereits seit vie­len Jah­ren, aus der Zeit vor Face­book, Twit­ter und Goog­le Plus) eine prak­ti­sche Metho­de, die­se Neu­ig­kei­ten zu abon­nie­ren, ohne das E‑Mail-Post­fach voll­zu­mül­len, und die nennt sich RSS, meist zu erken­nen an einem oran­ge­far­be­nen Logo mit wei­ßen Funkwellen.

Wei­ter­le­sen

Der Hase mit den Bern­stein­au­gen – Ein Leckerbissen!

Edmund de Waal, Der Hase mit den Bernsteinaugen

Edmund de Waal, Der Hase mit den Bernsteinaugen

Einen Lecker­bis­sen habe ich vor kur­zem fer­tig­ge­le­sen: Edmund de Waals “Der Hase mit den Bern­stein­au­gen: Das ver­bor­ge­ne Erbe der Fami­lie Eph­rus­si”. Wer sich weder für fran­zö­si­sche Kul­tur, das Wie­ner Leben um und nach der Jahr­hun­dert­wen­de noch für jüdi­sches Leben, Fami­li­en­ge­schich­ten oder japa­ni­sche Kul­tur inter­es­siert, kann jetzt mit dem Lesen aufhören.

All das steckt näm­lich in Edmund de Waals Buch. De Waal ist der 1964 gebo­re­ne Nach­kom­me einer alten jüdi­schen Fami­lie, die, aus­ge­hend von Odes­sa, ihre Söh­ne in die Haupt­städ­te Euro­pas schick­te, um das anfäng­li­che Wei­zen­han­dels­ge­schäft zu expan­die­ren und so zu einer gro­ßen Finanz­dy­nas­tie wurde.

Auf­hän­ger und roter Faden durch die­ses Buch ist eine Samm­lung klei­ner japa­ni­scher Net­s­uke-Figu­ren, die de Waal erbt und die ihn dazu ani­miert, deren Geschich­te und damit auch sei­ne Fami­li­en­ge­schich­te zu recher­chie­ren und schließ­lich auf­zu­schrei­ben. Sie sind das ein­zi­ge sicht­ba­re Erbe, dass die­se Fami­lie, die in einem Atem­zug mit den Roth­schilds genannt wur­de, nach der Nazi­zeit noch hat, und das von einer Haus­an­ge­stell­ten geret­tet und ver­steckt wurde.

Eine klas­si­sche Hand­lung gibts hier als nicht, doch die­ser Streif­zug durch Kultur‑, Welt- und Fami­li­en­ge­schich­te von Mit­te des 19. Jahr­hun­derts bis in die Jüngs­te Ver­gan­gen­heit liest sich span­nend, unter­halt­sam und lehr­reich zugleich. Das Buch ist gleich­zei­tig mit einer gewis­sen Distanz und einer Fas­zi­na­ti­on gegen­über die­sen Figu­ren und die­ser Fami­lie geschrie­ben, und durch­aus selbst­re­flek­tie­rend über de Waals eige­nes Ver­hält­nis zu sei­ner Her­kunfts­fa­mi­lie und den umfang­rei­chen Recher­chen, wäh­rend derer er sei­nem eigent­li­chen Beruf als Töp­fer oder (bes­ser Kera­mik­künst­ler) kaum nach­ge­hen konn­te. Eine abso­lut loh­nen­de Lektüre.

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