Der Himmel ist heute Morgen wider Erwarten vor allem auf Landseite bedeckt, und die Chancen für Sonne stehen 50:50. Wir wollen heute die noch drei ausstehenden Dörfer der Cinque Terre ansehen und starten nach gemütlichem Frühstück (wie bisher alle Tage) draußen vor der Hütte über den Felsweg zum Bahnhof. Die Sonne kommt raus. Gegen eins sind wir in Riomaggiore, durch einen mit einem mediterranen Mosaik gestalteten Fußgängertunnel geht’s ins „Centro“, den größeren Ortsteil. Das Wetter sieht nach einem 1:0 für die Wolken aus, und wir sind erst enttäuscht nach einem so schönen Tag wie gestern. Die bunten Farben der in- und übereinander geschachtelten Häuser werden durch die Sonne erst richtig kräftig. Wenn dann ein kräftiges Himmelsblau dazu kommt, lacht das Fotografenherz. Doch ist die Partie noch nicht zu Ende. Und den Wolken zum Trotz: Es ist schon faszinierend, wie die Häuser sich übereinandergeschachtelt um die enge, mit der Hauptstraße überbauten Flussmündung drängen, als wollten sie alle auf einmal ins Meer. Da muss man einfach fotografieren.

Riomaggiore

Riomaggiore

Wir bummeln durch das gerade recht ruhige Dorf, kein Vergleich mit dem Rummel in Vernazza gestern. Post und Tabacchi sind zu, unsere Briefmarken müssen wir anderswo holen.

Kurz nach drei ziehen wir wieder zum Bahnhof und fahren nur vier Minuten bis Manarola. Dort wieder durch einen Tunnel ins Dorf, wo uns die Sonne freudig empfängt. Auch Manarola ist ein Schmuckkästchen: die Häuser in erdigen Farben, eng und übereinander entlang der Hauptgasse, die zu einem kleinen Hafen zwischen den Felsen führt. Wir setzen uns in das Café Planina, direkt mit Blick auf den Hafen. Beim Hinsetzen verursache ich einen Lachanfall zweier Amerikanerinnen am Nebentisch: Ich postiere auf dem dritten Stuhl unseren Rucksack, aus dem Antonio rausschaut und seine Vorderpfötchen fast auf der Tischkante hat: Antonio ist unser süßer Plüschbär, der uns auf Reisen begleitet. Esther genießt eine Torta Frutti di Bosco, ich ziehe eine Torta di Noci vor, die die Schweizer hier angeblich mal eingeführt haben. Sie ähnelt in der Tat sehr der üppigen Engadiner Nusstorte, wie wir sie aus der Schweiz kennen. Der Cappuccino hier ist sehr gut, weniger sein Preis: 2,50 Euro! Absoluter Wucher!

Blick auf Manarola

Blick auf Manarola

Am Hafen gibt es eine kurvige Rampe, um Boote zu Wasser zu lassen. Benutzt wird aber gerade unter Beobachtung vieler Touristen eine elektrische Seilwinde. Die Aufmerksamkeit der Touris richtet sich dann auf einige Springer, die von den Felsen in die Hafenbecken springen, eine Teenagerin hat sich im Bikini einen fünf Meter hohen Felsen ausgesucht und traut sich nun doch nicht: zu „scary“ für die Amerikanerin, ruft sie den anderen Springern zu. Wir gehen ein Stück hinauf Richtung Corniglia und sind auch hier begeistert vom Blick zurück auf Manarola und voraus auf Corniglia. Da wir dann doch nicht erneut die Nationalparksgebühr von 5 Euro pro Person und Tag zahlen wollen, schauen wir noch mal in den Ort, auch wegen der Briefmarken: Die Post ist zu und der Tabacchi ohne Briefmarken.

Nachdem wir noch durch einige Souvenirläden geschlendert sind, nehmen wir am Bahnhof den nächsten Zug nach Corniglia. Kurve um Kurve laufen wir dort die Asphaltstraße hinauf, die interessantere Ausblicke eröffnet als der Treppenweg, den man vom Bahnsteig aus über einen ebenen Weg entlang der Bahn nimmt.

Piazza in Corniglia

Piazza in Corniglia

Hübsch wie alle anderen Cinque-Terre-Dörfer, erhebt es sich fast 100 Meter über dem Meer und bietet – besonders von der Panoramaterrasse einen einzigartigen Ausblick. Links strahlt Manarola in der Nachmittagssonne, während Riomaggiore hinter Felsen versteckt ist, nach rechts blickt man an Vernazza vorbei auf Monterosso. Unter und über uns ziehen Möwen ihre Kreise und zeigen ihre Flugkünste.

Möwe in Corniglia

Möwe in Corniglia

Nicht einfach, sie mit der Kamera zu erwischen. Auf der Piazza in der Dorfmitte sitzen ältere Männer auf einer Bank und genießen die Zeit. Es ist gleich halb sieben und wir brauchen noch etwas zum Kochen. Der offenbar einzige Lebensmittelladen bietet nur Touristenpasta zu 7,50 Euro, aber keine üblichen Pasta an, und wir beschließen, nur ein bisschen Gemüse zu kaufen und es zu den noch vorhandenen Kartoffeln zu brutzeln. Dazu noch die restlichen gefüllten, eingelegten Peperoni und einen Joghurt Frutti di Bosco aus unserem Naturjoghurt und der Schweizer Waldfrucht-Marmelade, und fertig ist das Menü für heute. Unten am Bahnhof noch eine Aufnahme von Manarola mit dem üblichen „Sottopassagio“-Schild im Vordergrund und einmal die Schienen mit „Vietato attraversare i binari“ im Abendlicht. Bisher hat die Bahn keinen unserer Urlaube so geprägt wie diesen.

Vietato attraversare i binari

Vietato attraversare i binari